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Air Baltic hat im September 2026 einen Chapter-11-Antrag in New York gestellt - "aus freien Stücken", wie Air Baltic in einer Mitteilung hervorhob. Unter den Strukturen der US-Insolvenzordnung will die Airline ihre Finanzen in Ordnung bringen.
Ganz so freiwillig erfolgte der Chapter-11-Antrag eventuell aber doch nicht. Das legen vorläufige Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2026 nahe, die Air Baltic am Montag vorgelegt hat.
Zwar konnte die Airline den Quartalsumsatz um 15,3 Prozent auf 250,1 Millionen Euro erhöhen. "Höhere Ticketerlöse, mehr Passagiere und das ACMI-Geschäft" sorgten für Wachstum, erklärte Air Baltic.
Dennoch bog die lettische Fluggesellschaft tief in die Verlustzone ab: 58,1 Millionen Euro Nettofehlbetrag, 85,8 Millionen Euro unter Vorjahresergebnis, stehen unter der Bilanz für das zweite Quartal 2026.
Im Zuge des Iran-Kriegs sprunghaft gestiegene Treibstoffkosten setzten Air Baltic gewaltig unter Druck: Air Baltic vertankte zwischen April und Juni 2026 66,1 Millionen Euro, wendete knapp 80 Prozent mehr Geld für Treibstoff auf als im Vorjahreszeitraum.
"Air Baltic hatte für 2026 mit einem Kerosinpreis von rund 685 US-Dollar je Tonne kalkuliert", erläuterte Air-Baltic-Finanzvorstand Vitolds Jakovlevs in Gerichtsunterlagen. "Nach Ausbruch des (Iran-)Konflikts stieg der Preis zeitweise auf knapp 2.000 US-Dollar."
Da Air Baltic Sicherungskontrakte - im rückblickend schlechtesten Moment - im März 2026 aufgelöst hatte, um sich kurzfristig Liquidität zu verschaffen, traf der Preissprung die Airline ungefiltert. "Je 100 US-Dollar höherem Kerosinpreis stiegen die Kosten um rund 16,5 Millionen US-Dollar", gab Jakovlevs zu Protokoll.
Luftraumsperrungen, verlängerte Flugrouten und die ausgesetzten Verbindungen nach Tel Aviv und Dubai taten ihr Übrigens. Wegen der hohen Treibstoffpreise radierte Air Baltic rund 5,7 Prozent des ursprünglich vorgesehenen Flugprogramms für den Zeitraum März bis Oktober 2026 wieder aus dem Flugplan.
Im August wurde es eng
"Im August 2026 zeichnete sich angesichts des starken Anstiegs der Kerosinpreise infolge des anhaltenden Iran-Konflikts und der sich rapide verschlechternden Liquiditätslage ab, dass (Air Baltic) so schnell wie möglich ein Chapter-11-Verfahren zur Neuordnung ihrer Finanzen benötigen könnte", heißt es in Gerichtsdokumenten.
Denn Air Baltic saßen zunehmend nervöse Anleihegläubiger im Nacken. Air Baltic hatte 2024 einen Bond über 380 Millionen Euro begeben - zu 14,5 Prozent Zins.
Über das Chapter-11-Verfahren will Air Baltic ihre Verbindlichkeiten neu sortieren - und eine "wettbewerbsfähigere Kostenbasis" etablieren. Die Airline strafft Flotte und Flugnetz, baut bis zu 700 Stellen ab. Bis Jahresende will Air Baltic von 54 auf 36 Airbus A220-300 schrumpfen - und 2027 in einem schlankeren Format den Schutzschirm wieder zuklappen.
Eine Zwischenfinanzierung deckt die laufenden Kosten, laut Gerichtsunterlagen muss Air Baltic aber noch vor Jahresende Einigungen mit Geschäftspartnern und Gläubigern erzielen.
© aero.de | Abb.: Air Baltic | 13.10.2026 17:00







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